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Bei jedem Likör Rezept geht es eigentlich nur darum: Nimm eine alkoholische Grundlage und lege etwas Aromatisierendes darin ein und etwas Süßendes. Danach den Likör filtern, in Flaschen füllen und reifen lassen. Und ganz zum Schluss: servieren und genießen. Klingt einfach. Aber Likörbereitung ist eine kleine Wissenschaft für sich.
Denn wie immer steckt der Teufel im Detail: Welches Aroma soll mein Likör haben? Welche Früchte und Zusätze geben die richtige Note ab? Wie lange muss er reifen? Und wie bekomme ich die richtige Süße hin? Diese Fragen entscheiden darüber, ob der Likör himmlisch oder ungenießbar wird. Wer Liköre selber machen will, der wird auf Dauer auch selbst Likör Rezepte kreiieren wollen. Und das dauert seine Zeit. Denn jeder einzelne Zusatz in einem Likör entfaltet über die Zeit seine eigene Wirkung, so dass es seine Zeit dauern kann, bevor man alle Geheimnisse der Likörbereitung kennt. Ich selbst kenne immer noch nicht alle. Aber mit jedem Likör und jedem Rezept werde ich wieder um eine Erfahrung reicher - und besser.
"Nimm eine alkoholische Grundlage" Zurück zu unserer Eingangsbeschreibung. "Nimm eine alkoholische Grundlage und lege etwas Aromatisierendes darin ein und etwas Süßendes." Das ist ziemlich allgemein gehalten. Grundsätzlich sollte für einen selbst gemachten Likör eine möglichst neutrale Grundlage genommen werden. Wodka oder Korn sind hier die alkoholischen Getränke der Wahl. Aber allein schon mit der Menge der alkoholischen Basis kann der Geschmack eines Likörs entscheidend verändert werden. Hier empfehle ich allen Freunden stets: Probiert Euch aus. Denn für einen Likör gibt es keinen falschen oder richtigen Geschmack. Und wir selbst entscheiden schließlich über unsere Likör Rezepte.
Auch die Wahl der Sorte des Wodkas oder des Korns ist nicht ganz ohne Belang. Meine Erfahrung ist, dass besonders gute Produkte oftmals einen bitteren Beigeschmack mit sich bringen, der dann auch Teil des Likörs wird. Die etwas teureren Getränke sind dagegen austauschbar und nehmen gerne den Geschmack der darin eingelegten Früchte und Gewürze an.
Natürlich gibt es auch Likör Rezepte mit ganz anderen alkoholischen Getränken, wie zum Beispiel Gin, Brandy oder Rum, immer abhängig von dem, was darin eingelegt wird. Daher will stets gut überlegt sein, ob die alkoholische Basis für einen Likör ausgetauscht werden sollte. Doch auch das ist freilich Geschmacksache. In Frankreich werden zum Beispiel viele Liköre mit Rotwein angesetzt...
Wer andere alkoholische Getränke als Wodka oder Korn verwendet, sollte berücksichtigen, dass beispielsweise Rum, der schon mit Zucker vergärt wurde, natürlich weniger Zucker zugesetzt werden muss als Wodka. Weinbrand dagegen braucht eine Menge Hilfe in Sachen Zucker. Für die richtige Komposition gibt es keinen Schlüssel, keine Geheimrezeptur - hier hilft nur ausprobieren.
"...und lege etwas Aromatisierendes darin ein" Das führt uns zum Aroma des Likörs. So ziemlich alles lässt sich in Alkohol einlegen - das gleich vorweg. Vor allem dreht es sich hier aber natürlich um Früchte und Gewürze, aber auch um Wurzeln, Blumen und Kaffeebohnen. Wahrscheinlich hat jeder, der sich eine Weile mit Likörherstellung befasst hat, auch schon einmal einen eigenen Kaffeelikör versucht...
Jedenfalls führt die Kombination mehrerer Aromen in den allermeisten Fällen zu einem vollmundigeren Ergebnis und zu einem besseren geschmack als nur bei einer Zutat. So wird den meisten Früchtlikören beispielsweise auch die Schale einer Orange oder einer Zitrone beigegeben. Auch hier sind dem Experimentieren natürlich keine Grenzen gesetzt, die Likör Rezepte geben hier nur einen Weg vor. Allerdings sollte man auf Kombinationen wie Kaffeebohnen mit Limonenschalen wohl besser verzichten. Vielleicht aber auch nciht - vielleicht schmeckt das wundervoll und ich weiß es nur nicht. Die einzige Regel, die es gibt, lautet: Serviere niemandem einen Knoblauchlikör ohne Vorwarnung.
Aber ein paar Richtlinien gibt es doch. So sollte man, wenn man Liköre selber machen will, sich immer vorstellen, dass man ein Dessert erstellt - das ist der beste Vergleich der mir einfällt - und der eine gewisse Berechtigung hat. Denn die Kombinationen von Geschmacksrichtungen sind ähnlich wie bei Nachspeisen. Zimt und Muskatnuss passen gut zu Äpfeln, der geschmack von Zitrone passt fast zu allen Früchten und Kaffee braucht Vanille. Grundsätzlich gilt vor dem Ansetzen: Die kombinierten Geschmacksrichtungen sollten auch ohne Alkohol gut zusammen passen und schmecken.
"...und etwas Süßendes" Während in Amerika Liköre meist erst am Ende ihrer Reifezeit mit einem Zuckersirup oder einer Zuckerlösung nachgesüßt werden, hat es sich in unseren Gefilden eingebürgert, den Zucker bereits mit den Früchten einzulegen. Das hat in meinen Augen mehr Charme und gibt dem Likör auch einen runderen, reiferen Geschmack, macht das Ansetzen von Likören aber nicht einfacher, denn so muss schon vorher entschieden werden, wieviel Zucker ein Likör braucht. Als Faustregel gilt: 300 bis 350 Gramm Zucker auf einen Liter Likör - wenn Wodka oder Schnaps verwendet wird. Bei Rum reicht oft die Hälfte, bei Grappa, Brandy & Co. rate ich zu mindestens 500 Gramm. Sollte der Likör nach der Reifezeit noch zu bitter schmecken, lässt sich nochmals Zucker nachgeben. Wer dann nicht mehr warten kann, kann sich immer noch mit einer Zuckerlösung behelfen.
Reifezeit Die Reifezeit hängt am meisten von den eingelegten Früchten ab. Einige, wie zum Beispiel Cranberries oder Himbeeren brauchen gar nicht lange bis sie einen kräftigen Geschmack an den Likör abgeben, andere wie Orangen und Mandarinen oft Monate. Auch viele abgepackte Gewürze und vor allen Dingen getrocknete oder trockene Früchte und Gewürze, Pflanzen oder Wurzeln geben schnell einen kräftigen Geschmack ab. Ein paar Faustregeln, die aber natürlich frei variiert werden können:
- Wenn der Likör auf Früchten wie Pfirsichen oder Pflaumen basiert: zwei bis drei Wochen ziehen lassen, danach einen Monat reifen lassen. - Wenn der Likör auf Beeren wie Himbeeren oder Cranberries basiert: zwei bis drei Wochen ziehen lassen, danach ein bis zwei Monate reifen lassen. - Wenn der Likör auf Ölen basiert, zum Beispiel bei Orangenschalen oder Zitronenschalen: vier Wochen ziehen lassen, danach drei Monate reifen lassen.
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